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| Deutschlands Turf-Star Tiger Hill ist am Sonntag mit Außenseiterchancen bei der inoffiziellen Weltmeisterschaft der Galopper dabei. Im legendären Prix de l'Arc de Triomphe auf der Galopprennbahn Longchamp im Bois de Boulogne in Paris greift der Hengst aus dem Kölner Rennstall von Trainer Peter Schiergen zum zweiten Mal in seiner Karriere nach den Sternen des Turfs. Im letzten Jahr war Tiger Hill sensationell Dritter im Prix de l'Arc de Triomphe, diese Leistung ist der Maßstab für seinen Auftritt in der Eliteklasse der Galopper am Sonntag. Mit Flamingo Road, die Andreas Schütz in Köln für den Münchner Bankierssohn Helmut von Finck trainiert, startet unter Championjockey Andrasch Starke ein weiteres in Deutschland trainiertes Pferd in dem mit umgerechnet 2,9 Millionen Mark dotierten Rennen. Die ehemalige Derby-Siegerin Borgia wird zwar mittlerweile in Frankreich vorbereitet, sie geht aber ebenfalls als «deutsches» Pferd durch und sorgt somit dafür, dass der deutsche Turf so prominent wie selten zuvor im «Rennen der Rennen» vertreten ist. Terence Hellier schwingt sich in den Sattel von Tiger Hill, dem besten und zugleich populärsten deutschen Rennpferd. Das Team hat kürzlich in Iffezheim überlegen den Großen Preis von Baden gewonnen. Die Buchmacher billigen Tiger Hill für das Pariser Millionenrennen gute Außenseiterchancen zu, die Favoriten stammen mit den französischen Star Montjeu (Michael Kinane) und Daylami unter Weltklassereiter Frankie Dettorie aus dem Turf-Imperium Godolphin des Maktoum-Scheichs. Der japanische Star El Condor Pasa (Masyoshi Ebina), im Sommer von vielen Experten als bester Galopper der Welt apostrophiert, komplettiert die Gruppe der Favoriten. Den einzigen deutschen Sieger im «Arc» hatte es 1975 gegeben. Star Appeal triumphierte für den Kölner Trainer Theo Grieper in diesem Jahr zugleich als der krasseste Außenseiter in der Geschichte des Rennens: 1190:10 notierte der Hengst bei seinem Sieg am Wettschalter. Tiger Hill, der auf Deutschlands Rennbahnen fast eine «Tigermania» auslöste, ist schon heute der nach Gewinnsumme vierterfolgreichste Galopper aller Zeiten in Deutschland. 2 053 305 Mark hat der Hengst, den sein Besitzer Georg von Ullmann als Jährling für 110 000 Mark ersteigert hatte, mittlerweile verdient. Nur Lando, Platini und Monsun rangieren noch vor ihm. Wenn sich am Sonntag im Prix de l'Arc de Triomphe die Startboxen öffnen, werden dem Hengst zahlreiche deutsche Fans vor Ort die Daumen drücken. In weiteren Rennen des Pariser Top-Wochenendes stehen drei weitere deutsche Pferde: Evil Empire, Elle Danzig, und Dangerous Mind. Sie werden allesamt von Championjockey Andrasch Starke geritten |
| Zum Pferdefest in die Schweiz Der kleine Ort Saignelégier im Schweizer Kanton Jura wird jedes Jahr an einem Wochenende im August zum Treffpunkt von Pferdebegeisterten. An zwei Tagen werden dann Zehntausende von Besuchern zum Pferdefest «Marché-Concours» erwartet. Im Mittelpunkt der Veranstaltung, die in diesem Jahr am 7. und 8. August stattfindet, steht der Freiberger - die Schweizer Pferderasse. Das Juragebirge an der nordwestlichen Grenze des Landes ist die Heimat des kleinen, robusten Pferdes. In keinem anderen Schweizer Kanton werden mehr Pferde gezüchtet und gehalten als im Jura mit seiner sanft hügeligen, grünen Landschaft. Die farbenprächtigen Umzüge und Pferderennen an den beiden Veranstaltungstagen zählen zu den Höhepunkten des Festes. «Früher waren es vor allem die Alten, die sich engagierten», stellt der einheimische Pferdeexperte Hermann Gehrig fest. «Doch heute sind es viele junge Leute, die ihre Freiberger präsentieren.» So eröffnen auch die jungen Reiter die Pferde-Show auf den großen Veranstaltungsplatz. In einer «Ländlichen Quadrille» reiten Mädchen im Dirndl auf Freiberger-Pferden ein. Begleitet werden sie von jungen Männern auf Zweispännern. Dem Publikum führen sie einen Tanz der Pferde und Kutschen vor. Für Begeisterung sorgt erfahrungsgemäß auch das «Ländliche Rennen». Jugendliche Reiter feuern ihre Freiberger wie Jockeys in einem Galopp-Rennen an. Ein Sattel ist nicht erlaubt, eine kleine Gerte schon. «Das ist ihr Rennen, der Höhepunkt für die Landjugend», erläutert Philippe Aubry vom Veranstaltungskomitee. Von überall in der Schweiz kommen Züchter angereist, um ihre Pferde zu präsentieren. Experten beurteilen 400 Freiberger. Dabei sind sie von vielen Festbesuchern umringt, die ebenfalls einen guten Blick auf die vorgestellten Hengste, Stuten und Fohlen haben möchten. «Die Pferdeausstellung ist für uns Pferdeleute der Jahreshöhepunkt», erzählt der Züchter Pierre-André Cattin. Dabei meint er nicht nur das Geschäft, sondern die ganze Veranstaltung. Denn der Marché-Concours ist nicht nur ein Markt, sondern auch ein authentisches Volksfest. Das Mittagessen wird traditionell gemeinsam eingenommen. Hunderte von Menschen sitzen beim ländlichen Bankett an langen Tafeln. Seit einem Jahrhundert werden dieselben Gerichte serviert: Kalbszunge mit grüner Soße, Rindfleisch, Rotwein und am Ende der berühmte Mönchskopfkäse, Tete du moin - auch ein echter Jurassier. Danach schlendern die Besucher über den Markt, wo Händler alles rund ums Pferd anbieten: Reitkleidung, Pferdesouvenirs, Zaumzeug und Sättel. Den Samstagabend krönt eine Gala. Wenn die Pferde in ihren provisorischen Ställen längst schlafen, tanzen die Reitersleute noch in die Nacht hinein. Am Tag darauf aber müssen alle - ob Vier- und Zweibeiner - fit sein für die große Parade. |
| Pferdesport: Ire Coyle holte Großen Preis Trevor Coyle hat sich endgültig in der Weltspitze etabliert. Der Ire gewann am Sonntag mit dem 14jährigen Schimmelhengst Cruising erstmals den prestigeträchtigen Großen Preis von Aachen beim 62. CHIO-Turnier. Zum Abschluß der größten Pferdesport-Veranstaltung der Welt setzte sich der 40 Jahre alte Weltcup-Zweite mit dem einzigen fehlerfreien Ritt im Stechen der mit 413 600 Mark dotierten Prüfung in 42,35 Sekunden durch und kassierte 100 000 Mark. Die US-Amerikanerin Anne Kursinski verpaßte durch einen Abwurf am vorletzten Hindernis den Sieg und wurde mit vier Fehlerpunkten in der schnellsten Zeit von 42,21 Sekunden Zweite vor dem Schweden Rolf- Göran Bengtsson mit Roofs (4/45,16) und dem Niederländer Peter Geerink mit Heartbreaker (8/42,72). Der Fehler kostete Kursinki viel Geld: Denn sie hatte die Möglichkeit im Rahmen der Crown-Serie, zu der die Großen Preise in Monterrey (Mexiko), Valkenswaard (Niederlande) und Aachen gehören, mit einem Sieg umgerechnet 1,08 Millionen Mark zu gewinnen. Dieses Geld hätte sie für den zweiten Erfolg in der Serie innerhalb eines Jahres eingenommen. Die 40jährige hatte im vergangenen Herbst in Monterrey gesiegt. Die Deutschen spielten am Sonntag wie an den Vortagen bei der Entscheidung um den Sieg keine Rolle. Die Ehre mußte ausgerechnet Ludger Beerbaum (Riesenbeck) mit Ratina Z retten. Zwar verpaßten sie das Stechen, doch zum Abschluß ihrer gemeinsamen Karriere belegten der Doppel-Europameister und die 17jährige Stute nach ihrem Sieg vor drei Jahren in Aachen immerhin Platz fünf. Nach einem Hindernisfehler im ersten Umlauf gelang Beerbaum im zweiten Durchgang mit dem bei Championaten und Olympischen Spielen erfolgreichsten Springpferd aller Zeiten noch einmal ein Nullfehlerritt. Nach dem Springen wurde Ratina feierlich unter den Klängen des Liedes «I am what I am» vor 40 000 Zuschauern von Beerbaum verabschiedet. Das eher unfreiwillige Ende einer Ära bahnte sich im neuerbauten Dressurstadion an. Wegen einer Sehnenzerrung im rechten Vorderbein ihres Toppferdes Gigolo verzichtete die 29jährige Isabell Werth nicht nur auf den Start in der Kür am Sonntag. Die Rheinbergerin wird mit dem 16 Jahre alten Wallach auch nicht zur EM vom 30. Juni bis 4. Juli in der niederländischen Stadt Arnheim reisen. Sie sattelt statt dessen den 13 Jahre alten Wallach Antony. Die Entscheidung bedeutet das Ende von Werths siebenjähriger Dominanz im Viereck. Denn daß die Olympiasiegerin, Welt- und Europameisterin noch einmal mit Gigolo an den Olympischen Spielen 2000 in Sydney teilnimmt, ist angesichts des Alters des erfolgreichsten Dressur-Pferdes der Welt kaum vorstellbar. Durch den Ausfall von Gigolo ist ein deutscher EM-Sieg im Team-Wettbewerb auch nicht mehr selbstverständlich. Werths Verzicht auf Gigolo stellte den Erfolg von Alexandra Simons-de Ridder fast in den Schatten. Die Aachenerin wurde Nachfolgerin von Isabell Werth, die siebenmal hintereinander die Gesamtwertung in Aachen gewonnen hatte. Nach ihrem dritten Platz im Grand Prix am Donnerstag und dem Sieg im Grand Prix Special am Samstag entschied die 35jährige am Sonntag mit dem erst zehn Jahre alten Holsteiner Wallach Chacomo auch die Kür mit Musik für sich und lag damit im Abschlußklassment vorn. Für sie, die im Winter zu Beginn der Hallen-Saison mit Chacomo erstmals auf sich aufmerksam machte, war es der erste Sieg bei einem bedeutenden Turnier gegen die Weltklasse. Sie rutschte durch den Erfolg auch in die Favoritenrolle für die EM. |
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